Mensch-Hund-Begegnung

Sicher hat es jeder von euch schon einmal erlebt und sich Gedanken darüber gemacht.

Beim Spaziergang, ob nun mit oder ohne Leine, treffen wir häufig Menschen (klein und groß), die unbedingt den Hund streicheln wollen. Beim Vorbeigehen, beim Sitzen in der Bahn oder angeleint vor dem Supermarkt, wird oftmals ungefragt nach dem Hund gefasst und drauf los gestreichelt. In der leichtsinnigen Gutgläubigkeit manches “Nicht-Hunde-Besitzers” immer nach dem Motto “Ach der tut doch nix und sieht so lieb aus!”.

Soweit so gut könnte man meinen!

Nicht zu selten beobachte ich allerdings, dass die meisten Mensch-Hund-Kontakte nur glimpflich ausgehen, da der Hund bereits gelernt hat, dass das Anfassen von Fremden keine bedrohliche Geste darstellt. Denn beobachtet man einmal die Herangehensweise solcher Menschen genauer, kann man oft erkennen, dass die Art und Weise, wie sie auf den Hund zugehen alles andere als einladend auf den Hund wirken. Stresssignale werden einfach missachtet.

Hier einmal die Herangehensweise aus der Sicht des Menschen

  • der Hund wird angesprochen und häufig dabei angestarrt
  • der Mensch geht dabei in den meisten Fällen frontal auf den Hund zu
  • dabei wird der Oberkörper nach vorn gebeugt

Ist bis dahin alles gut geganen und zeigt der Hund keinerlei Abwehrsignale in Form von Knurren, Zähne Fletschen oder Schnappen, folgt dieses Prozedere


  • der Abstand zwischen Mensch und Hund wird weiter verringert
  • mit der Hand wird von oben auf den Hundekopf getätschelt
  • häufig wird der Hund dabei weiter angesprochen (“na du kleiner…” mit knurrender Stimme)
  • die Stimmlage passt häufig nicht zu der gewünschten Aussage
  • fremde Gerüche werden übertragen
  • die Sicht zum Halter kann unterbrochen werden, wenn sie das nicht sowieso schon ist
  • kleine Kinder bewegen sich unkoordiniert, schreien oft aus Freude oder rupfen am Fell

Und nun aus der Sicht des Hundes

  • er wird angesprochen und bedrohlich angestarrt
  • ein ihm unbekannter Mensch kommt bedrohlich auf ihn zu
  • der vorgebeugte Oberkörper wirkt von oben ebenfalls bedrohlich
  • der Abstand zwischen Mensch und Hund verringert sich
  • meistens kann der Hund wegen der Leine oder anderen Menschen nicht ausweichen
  • seine Individualdisztanz wird dabei stark eingeschränkt

  • Stresssignale, wie Ohren nach hinten drehen, Hecheln, Kopf beiseite drehen, Pföteln und Schlucken oder Lecken werden ignoriert

  • die Stimmlage des Menschen kann bedrohlich wirken
  • die Hand von oben kann bedrohlich wirken
  • Gerüche, zu denen der Hund eine negative Assoziation entwickelt hat werden übertragen und können eine plötzliche negative Reaktion hervorrufen
  • die Sicht zum Rudelführer kann unterbrochen werden, der Meutetrieb wird verstärkt, der Hund bekommt Stress
  • meistens ist die Sicht zum Halter sowieso unterbrochen, sodass sich der Hund bereits in einer Stresssituation befindet

Deshalb sind das “A” und “O” bei einer Mensch-Hund-Begegnung Rücksichtnahme und ein respektvolles Annähern an den Hund. Denn Hunde sind und bleiben nun einmal Tiere, die instinktiv, also auch emotional auf Situationen reagieren. Und die sich nicht durch verbale Kommunikation in Form von Wörtern ausdrücken können, in welcher Stimmung sie sich befinden.

Das soll nicht bedeuten, dass sie sich gar nicht mitteilen, ganz im Gegenteil! Wer einmal etwas genauer hinschaut und sich Zeit nimmt Hunde zu beobachten, der wird erkennen, dass sie sich durch ihre Körpersprache und durch ihre Laute sehr deutlich ausdrücken. Leider haben wir in unserer hektischen und stressigen Gesellschaft selten die Zeit und Muße uns mit solchen Dingen auseinanderzusetzen. Aber in dem Unverständnis der interspezifischen Kommunikation liegt die Ursache für so manch gefährlichen Vorfall.

Bildurheber: Regine Dumack

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